Die sozialdemokratische Bildungsinnovation?

Soeben hat die nordrhein-westfälische SPD-Landeschefin Hannelore Kraft die Marschroute klar gemacht. Schrittweise, mit möglichst wenigen Schritten, und noch dazu schnellen, will die SPD im Falle eines Wahlsieges sämtliche weiterführenden Schulformen abschaffen und gegen eine einheitliche Gesamtschule austauschen.

Lediglich bei der Abschaffung der Hauptschule gibt es ein paar rechtliche Probleme, denn diese genießt Verfassungsrang. Allerdings dürften es eher nicht die Hauptschüler, respektive deren Eltern sein, denen eine Abschaffung ihrer Schule Sorgenfalten ins Gesicht meißelt. Viel besorgter sind die Teile der Bevölkerung, deren Nachwuchs das Gymnasium besucht. Zu Unrecht, meint die SPD. Die Ergebnisse der aktuellen Lernstandserhebung dürften den Sozis dabei nicht unbedingt gelegen kommen…

Die hat nämlich mehrerlei interessante Ergebnisse zutage gefördert. Eines ist die Erkenntnis, dass die Leistungen der Gymnasiasten durchweg klar über dem Durchschnitt aller getesteten Schülerinnen und Schüler liegen. Das hätte man ja vielleicht ohnehin erwarten können. Ein anderes ist die Feststellung, dass die Leistungen der Gesamtschüler, und das ist ja letztlich die Schulfom, die die SPD für alle will, in den Grundkursen (genau wie in den Hauptschulen) klar unter dem Landesdurchschnitt liegen. Konkret: Die Leistungen der Gesamtschüler in den Grundkursen liegen auf Hauptschulniveau.

Ja, mag man sagen. In den Grundkursen, klar. In den Erweiterungskursen der Gesamtschulen sieht es leider nicht sehr viel besser aus, denn dort liegen die Gesamtschüler bestenfalls auf dem Niveau der Realschüler. In keinem Bereich erreichen die Gesamtschüler Gymnasialniveau.

Wenn wir jetzt hergehen und die Gymnasien zugunsten der Gesamtschulen abschaffen, was erreichen wir also damit? Genau, ein Absinken des Niveaus auf maximal Realschulniveau. Wer kann das wollen? Ich meine jetzt, ernsthaft wollen?

4 Gedanken zu „Die sozialdemokratische Bildungsinnovation?

  1. Aus Bekanntenkreisen höre ich immer wieder, dass die Leute, die sich diese „Bildungsreformen“ ausdenken, ihre eigenen Sprösslinge nicht auf diese Schulen senden, sondern sich ggf. sogar teure Privatschulen leisten.

    Irgendwie bechleicht mich manchmal der Verdacht, dass unserer politischen Kaste langfristig an einem möglichst kritiklosen und ungebildeten Volk liegt. Tendenzmäßig so wie im späten Rom. Dekadent lebt sich’s besser, und ein dummes Volk lässt sich mit ein paar Shows ruhigstellen.

  2. Man kann die Tendenz auch länger zurückverfolgen. Falls man sich bei den Lehrbuchautoren auch im Hochschulbereich in der Zeit um dem 1. Weltkrieg umschaut, stand da nicht gerade selten „Gymnasialprofessor Dr. XYZ“. Die Zahl der heutigen Lehrer, die in der Lage wären, ein tatsächlich qualifiziertes Buch über ihr Fach zu schreiben, wäre sicher sehr klein.

    Auch der Inhalt der Bücher war teilweise sehr viel anspruchsvoller als heute. Ich hatte mal ein Physiklehrbuch für die Oberstufe aus der Zeit um 1920, dass heute vermutlich nur wenige Lehrer komplett nachvollziehen können (inzwischen über ebay versilbert).

    Grund für einen Verfall ist natürlich auch eine Zeit, in der es opportun war, die Muskeln zu schulen, da statt einer feinsinnigen Diskussion dem Gegner der Schädel einzuschlagen war. Leider ist das Pendel nach Ende dieser Zeit nicht mehr zurück gekommen. Statt dessen hat die Politikergeneration ab ca. 1970 massiv darauf gesetzt, die Schulen zu entmündigen – mit Erfolg, wie wir heute offenbar leider feststellen müssen.

    Jedenfalls können wir uns wohl getrost von dem Klischee der Science-Fiction-Filme verabschieden, dass der Müllwerker des 23. Jahrhunderts mal eben nebenbei die Lösungen für die Differentialgleichungen des heutigen Physiknobelpreisträgers liefert. Im Gegenteil scheint der kritische Umgang mit Kenntnissen und Gesellschaft in den letzten Jahren massiv abzunehmen. Wer das verursacht, ist wohl kaum zweifelhaft, aber liegt das an Wollen, Stupidität oder charakterloser Verantwortungslosigkeit?

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