Die "Job-Wunder-Lüge"

Es geht bergauf in Deutschland. Die Arbeitslosenzahlen sinken beständig. Politiker jauchzen und frohlocken. Wir haben es geschafft. Wir sind wieder wer. Der aktuelle Stern Nr. 32 schwärmt von „Jobs, Jobs, Jobs, Jobs“ und behauptet, Arbeitskräfte würden sogar bereits umworben, Deutschland sei das Job-Wunder-Land.

Wundern muss man sich tatsächlich. Nämlich darüber, dass sich ein großes deutsches Nachrichtenmagazin nicht zu schade dafür ist, einen solchen Mist ernsthaft zu verbreiten. Der Stern versteigt sich sogar in die durch nichts zu belegende Aussage, dass Unternehmen höhere Gehälter zahlen würden, um Arbeitnehmer zu bekommen und zu halten.

Die Wirklichkeit sieht anders aus:

  1. Das sogenannte Jobwunder wird hauptsächlich durch Zeitarbeitsfirmen ausgelöst. Dabei gründen sogar etablierte Unternehmen spezielle Zeitarbeitsfirmen, um ihre Mitarbeiter zunächst loswerden und dann wesentlich billiger wieder zurückleihen zu können. Prominentes Beispiel ist die Firma Bankpower, ein Joint Venture zwischen der Firma Manpower und der … Deutschen Bank. Wen wundert es noch, zu hören, dass nahezu sämtliche bisher bei der Deutschen Bank „wegrationalisierten“ regulären Mitarbeiter durch Zeitarbeiter der Firma Bankpower, in vielen Fällen gar ein und dieselben Mitarbeiter, ersetzt wurden? Problemlos kann die Deutsche Bank sogar mehr Mitarbeiter anmieten als sie zuvor rausschmiss, denn die Bankpower-Leute sind massiv viel billiger. So stellt sich das sog. Jobwunder für die Unternehmen mindestens kostenneutral dar. Von den Vorteilen aufgrund fehlender Sozialleistungsverpflichtungen, sowie der massiven Flexibilität hinsichtlich der Kündbarkeit (auf Seiten des leihenden Unternehmens) von Zeitarbeitsverhältnissen ganz zu schweigen. Die Arbeitnehmer haben nichts, aber auch gar nichts von diesem „Wunder“. Im Gegenteil müssen sie mit Gehaltseinbußen von einem Drittel und mehr klar kommen.
  2. Der Präsident des deutschen Landkreistages, DLT-Präsident Hans Jörg Duppré, fand letzten Dienstag klare Worte: „Die Zahl der Menschen, die von Hartz-IV-Leistungen abhängig sind, hat einen absoluten Höchststand erreicht. Es wird endlich Zeit, dass wir uns den vielschichtigen Problemen offen stellen und uns eingestehen, dass die Zahl der Personen wächst, die auf staatliche Hilfe angewiesen sind.“ DLT-Sprecher Mempel legte nach: „Es geht nicht bergauf, ganz im Gegenteil.“ Wovon ist die Rede? Es ist ganz einfach. Von den rund 7,4 Millionen Hartz4-Empfängern finden sich lediglich 2,5 Millionen Menschen in der aktuellen Arbeitslosenstatistik wieder. Die anderen wurden schlichtweg aus der Statistik „herausdefiniert“. So kann man auch ein Jobwunder kreiieren.

Wir haben also auf der einen Seite mehr Arbeitnehmer, die aber wesentlich weniger als zuvor verdienen und auf der anderen Seite eine stetig steigende Zahl von auf staatliche Hilfen angewiesene Menschen. Ein Wunder ist das schon. Ein Wunder, dass wir alle das so mitmachen…

7 Gedanken zu „Die "Job-Wunder-Lüge"

  1. Ware Worte, ich konnte damals vor zwei Jahren oder wann das war schon nicht verstehen warum ein Unternehmen das Milliarden Gewinne einfährt noch Menschen entlassen muss. Aber in Zeiten wo Zeitarbeitsfirmen immer mehr Potential und Aufträge erhalten braucht einen so etwas eh nicht mehr zu wundern.

    Ein Mittel gegen diesen Wahnsinn und auch gegen den Trend das immer mehr Menschen von Hartz4 leben müssen ist wohl einzig und allein der Mindestlohn für alle Berufsbranchen. Aber davor haben ja die Politiker Angst, die Wirtschaft, die Unternehmen, den Kapitalismus den muss man schützen, dann soll es doch Lieber den einzelnen Bürger schlechter gehen.

  2. kann ich auch nur unterschreiben, denn ich muss mich selber permamanet bei besch…….Zeitarbeitsfirmen bewerben , was anneres ist unrealistisch…..
    ist alles nur Pro-paganda damit es doch noch besser wird ……..und dann sollen die A-Zahlen auf unter 3 Mio gesenkt werden, was ist denn umschulungsmassnahmsteilnehmer die aus der Statisitk fallen und doch arbeitslos sind ……… alles nur Schönfärberei …..

  3. Wir haben jetzt schon die Situation, dass weniger als 10% der Bevölkerung mehr Geld haben als die restlichen 90%. Wie weit diese Entwicklung gehen kann, keine Ahnung. Kürzlichen gingen ja die Meldungen von 20 – 30% Rabatt bei Neuwagenkäufen quer durch alle Nachrichtensender. Das ist das Ergebnis der o.g. Entwicklung und wundert mich in keiner Weise. Die Tatsache ist, dass die Leute einfach kein Geld für grössere Anschaffungen haben. Hauptsache so ein Arsch vom Hedgefond verdient 300 Mio im Jahr und denkt auch noch, dass er das verdient, weil er so gut ist. Oft entsteht auch der Eindruck, dass die Journalisten entweder blöd oder mit den Politikern unter einer Decke stecken, wenn sie so ungeprüft das Märchen vom Jobwunder verbreiten.

  4. Ich habe das grosse Glück, dass ich in meiner kleinen beruflichen Nische beinahe ohne Konkurrenz vor mich hin brödeln kann, doch habe ich gleichzeitig oft mit Leuten zu tun die von Zeitarbeitsfirmen übelst abgezockt werden. Dieses, meiner Meinung nach, gegen die guten Sitten verstossende Geschäftsmodell funktioniert weil Fachkräften mit Berufserfahrung Stundenlöhne von unter 9 Euro angeboten werden. Besonderes Bonbon bei diesen „Leihfirmen“ ist das Stundenkonto, ein eleganter Weg das unternehmerische Risiko auf den Arbeiter zu verlagern, gleichzeitig jedoch eigentlich einer der Hauptindikatoren für eine „Scheinselbstständigkeit“, nur interessiert sich niemand näher für diesen Umstand.

  5. Trösten kann nur die eigene Endlichkeit, hoffend, dass danach nicht doch noch IRGENDWAS kommt, wo die Kacke genauso am dampfen ist. Auch wenn besonders ausgeprägte Naivlinge glauben, der Dampf der Scheisse wäre doch bloss Weihrauch…

  6. Geschönte Zahlen, Fehlentwicklungen, gierige Wirtschaftsbosse, ausländische Heuschrecken und die Politik hat keinen Plan für die Zukunft. Unsere Gesellschaft entwickelt sich in eine falsche Richtung. Ergebnis: Es wird immer härter, ungerechter und kälter. Eigentlich müssten Steine fliegen, doch es rührt sich kaum Kritik. Eine schweigende Mehrheit scheint tatenlos zuzusehen, wie sie mehr und mehr ausplündert, entmündigt und kontrolliert wird. Und unsere Regierung sonnt sich auch noch in guten Umfragewerten.
    Opposition? Fehlanzeige! Ach ja, da gibt es noch diesen Herrn Lafontaine, der sich anschickt, unsere Parteienlandschaft mit seiner „Linkspartei“ nachhaltig zu verändern. Alles nur, um sein gekränktes Ego zu pflegen. Sein privater Rachefeldzug gegen die SPD geht munter weiter. Und die gute, alte SPD sieht tatenlos zu. Überlässt einem Demagogen und Dummschwätzer kampflos das Feld. Was soll man tun: Weinen? Toben? Demonstrieren? Resignieren? Auswandern? Ich warte die nächsten Bundestagswahlen ab. Eine neue Politik ist nicht zu erwarten, aber es könnte wenigstens unterhaltsam werden. Das Fußvolk hat ja ohnehin nicht mehr viel zu lachen …

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