Oettinger Go Home Where The Pepper Grows

Ich habe den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg von Beginn an als zutiefst unsympathisch empfunden. Auch habe ich schon immer von seinen mangelnden rhetorischen Fähigkeiten auf seinen Intellekt geschlossen. Bestätigt wurden meine Einschätzungen mehrfach, zuletzt im Zusammnhang mit seiner Trauerrede für den (nach Oettingers Aussage) Antifaschisten Filbinger. Überrascht es da jemanden zu hören, dass Oettinger auch in der Bildungspolitik eine Nullnummer ist?

Als Ministerpräsident ist er natürlich nicht direkt für die Bildungspolitik verantwortlich, andererseits kann es keine maßgebliche Entscheidung in dieser Richtung geben, ohne dass der Chef diese abgenickt hat. Und im Übrigen ist er natürlich auch der Ministermacher, man kann also sagen: „Wie der Herr, so´s Gescherr.“ S´Gescherr heißt Rau und ist Kultusminister des Ländle.

Rau und Oettinger hatten eine Suhberidää entwickelt. Sie wollten in den weiterführenden Schulen Französisch als erste Pflichtsprache einführen. Allerdings nicht an allen Schulen, sondern lediglich in denen, die geografisch nahe an Frankreich liegen, also jenen entlang des Rheins. An allen anderen Schulen des Landes sollte weiterhin Englisch die erste Pflichtsprache bleiben. Schon spontan fragt man sich doch, worin der Sinn dieses vermeintlich intelligenten Schachzuges Oettingers liege mag. Auch langes Nachdenken wird einem allerdings keine diesbezügliche Erleuchtung bringen. Erst profanes politisch opportunistisches Gedankengut bringt die Lösung. Oettinger will Sarkozy worein…

Dagegen haben Betroffene geklagt. Will Oettinger Sarkozy worein, dann gern, aber nicht auf Kosten der Schülerinnen und Schüler. Die Argumentation ist naheliegend. Umzüge innerhalb eines Bundeslandes sind an der Tagesordnung. Ziehe ich als Bürger des Ländle nun vom Rhein in den Osten des Landes und habe ich schulpflichtige Kinder in der fünften oder sechsten Klasse, so haben diese die berühmte Arschkarte gezogen. Sie mögen zwar prima Französisch faseln, aber schlicht kein Wort Englisch hervorbringen. Darauf hätten Oettinger und Rau allerdings schon auch selbst kommen können…

Intelligenterweise haben die beiden Bildungsexperten diese Überlegungen und Einwände in den Wind geschlagen und den Fall vor den Verwaltungsgerichtshof kommen lassen. Völlig erwartungsgemäß und natürlich zu Recht hat der Verwaltungsgerichtshof die zugrundeliegende Rechtsverordnung der beiden Bildungsprofis kassiert und geschreddert. Natürlich darf die Landesregierung die erste Pflichtsprache festlegen. Aber dies nur verbindlich für das gesamte Bundesland, so der Gerichtshof, nicht für einzelne Regionen.

Ob allerdings kleinräumig denkende Menschen wie der Oettinger überhaupt in der Lage sind, in gedankliche Dimensionen vorzudringen, die über einen Tellerrand hinausgehen, darf zu Recht bezweifelt werden.

19 Gedanken zu „Oettinger Go Home Where The Pepper Grows

  1. Dann müssen meine Kids eines Tages logischerweise Niederländisch lernen, keine 20km bis zur Grenze, da soll mir mal einer sagen warum Französisch die erste Wahl sein sollte, ebenso liegt Belgien näher als Frankreich. Auch wäre es doch supi wenn die Kinder im Osten gleich Polnisch lernen und wer an der tschechischen Grenze lebt wird sein Leben lang beim Sprechen spucken. Im Norden ist dann natürlich Dänisch angesagt und im Süden Schwyzerdütsch, da ist also noch einiges in Sachen Ausnahmeregelung zu tun.

    AFAIK wird doch in den „Grenzgebieten“ ein „regional“ geprägter Sprachunterricht angeboten, dann hats also doch etwas mit reinkriechen zu tun 🙄

  2. @Kublai Kahn:
    …wenn es dort, also in unmittelbarer Nähe, Arbeitsplätze gibt, warum nicht?
    Gerade Polen zeigt doch Perspektiven auf, nachdem inzwischen sogar ein Deutscher den Job eines Polen übernommen hat, dabei sogar die Position des CEO einer weltweit operierenden Organisation. 😉
    Und selbst Du hast inzwischen Deine Identität abgelegt und sprichst inzwischen deftig mongolisch.

  3. Lasst es uns doch gleich Stadtteilbezogen machen. In einem Bezirk, in dem hauptsächlich Türken wohnen, gilt als erste Sprache türkisch, natürlich auch für die unmitelbaren Anrainer an diesen Stadtteil.

    Schwierig könnte lediglich die Abgrenzung der Sprachbezirke werden. Obwohl, in unserem Städtchen könntest Du eigentlich überall türkisch ale erste Pflichtsprache einführen. Das hätte sogar den Vorteil, dass die Meisten das schon können und Du gleich in die sprachlichen Feinheiten einsteigen könntest…

  4. @Dieter

    Der Wilhelm meint das doch auch nicht ernst, als ob türkische Mitbürger „nur“ Döner und Handys verkaufen, solch billige Verallgemeinerungen sind doch auch sicher ironisch gemeint.

    @Wilhelm

    Ich habe einfach das grosse Glück sehr ungezwungen mit Dingen wie Herkunft und Abstammung umgehen zu können.

  5. @Kublai Kahn:
    Yep, so isses gemeint (gewesen).
    Auch die Sache mit den „nur“ ist korrekt. Ich habe gerade letzte Woche eine „türkische Story“ in und aus Mannheim ausgegraben, die für viele Vorbild sein könnte, ob nun für Türken, Deutsche, …Mongolen.
    Ich werde bei gegebener Zeit und etwas mehr Informationen darüber bloggen.

  6. @Wilhelm

    Aha gibts was neues von assimilierten Muslimen, schön dass es wenigstens einige Beispiele dafür gibt wie sich der gute Musel in der BRD zu verhalten hat.

  7. @Kublai Kahn:
    Wenn ich Dich jetzt richtig verstanden habe, dann gelten erfolgreich integrierte Zuwanderer (inkl. 2. oder 3. Generation) als assimiliert, wenn sie alles tun, um eben „erfolgreich“ zu sein? Personen, die nicht nur nach Integration schreien, nein, solche, welche selbst etwas dafür tun – was natürlich für anderen und deren Lobbyisten „peinlich“ sein mag, weshalb man in solchen Kreisen dann wohl sofort von Assimilation spricht.
    Übrigens, ich sprach nicht von Muslimen, wie Du mir dies „untergeschoben“ hast. Ich glaube, daß Du irgendwelche Vorurteile haben könntest. 😉
    Wie gesagt, lasse Dich positiv überraschen, ich klinke mich hier aus.

  8. @Wilhelm

    Aso, dann bezieht sich die „türkische Story“ also auf Christen aus dem Osmanenreich oder solche die nach 2 oder 3 Generationen der „Anpassung“ ihren Glauben ablegten und so erst eine Chance auf Integration bekamen.

    Oder sind die „erfolgreichen“ Akteure der „türkischen Story“ gar Anhänger des broderschen Angstatheismus geworden?

    Vielleicht wirds ja wirklich nochmal spannend :mrgreen:

  9. Na supi, jetzt hat der Wilhelm sich erstmal aufs Kerngeschäft besonnen und hat was über einen Typen der Angst vor Musels hat.

    Hättschen doch nich so drängen sollen 🙄

  10. Ich muß doch sehr dagegen Protestieren, daß der Öttinger heimgehen soll.
    Ich wohne in BaWü und wäre ihn gern los.
    Bitte die Überschrift ändern in „Öttinger go where the pepper grows“ oder so. Ich hoffe mal, daß er dieses spezielle Englisch auch versteht.

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