Riu Romantica: Schatten über dem Urlaubsparadies

Es lässt sich nicht leugnen. Das Riu Romantica in S’Estany D’En Mas, Nähe Porto Christo auf Mallorca hat neben vielen unbestreitbaren und sehr zu schätzenden Qualitäten auch eine ganz gravierende Schattenseite. Seit Wochen wird in den Gästebungalows unentwegt eingebrochen. Das Verhalten des Hotels dazu ist ambivalent. Die TUI-Reiseleitung äußert eine gewisse Resignation: „Sorry, mehr kann ich nicht tun. Ich bin nicht der Direktor hier!“

Bereits kurz nach meiner Ankunft bekomme ich durch relativ häufige Besuche in der Rezeption(, weil nur dort der WLAN-HotSpot zuverlässig funktioniert,) mit, dass es ein Problem hinsichtlich der Einbruchshäufigkeit in den Bungalows der Anlage gibt. Besonders betroffen scheinen die Einheiten am oberen Ende der Anlage, also 500 bis 6xx zu sein, weil diese am oberen, stets offenen Ausgangstor gelegen sind. Zumindest zu Beginn wird seitens der Rezeption versucht, die Vorkommnisse unter dem Tisch zu halten. Es wird Gästen empfohlen, die örtliche Polizei mangels Erfolgsaussicht gar nicht erst einzuschalten, sondern lieber zu versuchen, die eigene Reisegepäckversicherung zu beanspruchen. „Ist halt auf dem Flug verschwunden…“


Bereits nach den ersten mitgehörten Vorkommnissen spreche ich die Reiseleitung an, die die Problematik auch unumwunden zugibt, zu dem damaligen Zeitpunkt jedoch noch reklamiert, es handele sich bei Mallorca halt um eine Urlaubsinsel, auf der man mit solchen Themen eben leben müsse. Auch sei die Häufung der Vorkommnisse noch nicht als bedrohlich zu bezeichnen, ein gutes Dutzend innerhalb weniger Wochen vielleicht…

Zu diesem Zeitpunkt habe ich der Reiseleitung Glauben geschenkt und erwartet, dass die Beteuerungen, künftig würden Ausgangstore geschlossen gehalten, die Anlage intensiver überwacht, etc. auch eingehalten werden. Diese Erwartungen wurden jedoch offensichtlich leider enttäuscht, denn die Diebstahlsfrequenz hat nicht abgenommen. Gestern abend bin ich mit meiner Familie sogar fast selber zum Opfer geworden.

Meine Frau hat unsere Anderthalbjährige eben zu Bett gebracht. Der Rest der Familie ist noch in der Anlage unterwegs. Zwischen 20 und 21 Uhr bewegt sich ein Motorradfahrer offenbar gezielt und mit hoher Geschwindigkeit auf unsere Unterkunft zu. Innen ist mit Ausnahme des Fernsehers keine Lichtquelle eingeschaltet. Meine Frau vernimmt schnelle Laufgeräusche auf der Treppe zum Bungalow, dann nichts mehr. Sie wird stutzig, bewegt sich zur Tür und sieht eben noch, wie ein südländischer Typ mit weißem T-Shirt zurück zum Motorrad rennt, dieses besteigt und mit hoher Geschwindigkeit zum oberen Ausgangstor rast. Aufgrund der einsetzenden Dunkelheit ist keine weitere Identifikation möglich. Das Bedrohliche: Unser Bungalow befindet sich nicht am oberen Rand der Anlage, sondern mittendrin. Die Einbrecher werden anscheinend immer dreister.

Am nächsten Morgen sitze ich in der Rezeption und warte auf die Reiseleitung, um das Thema zu besprechen. Beim Eintreffen der Reiseleitung kommt mir ein Mann zuvor, der der Reiseleiterin „eben die Aktennummer mitteilen will“. Auch er wurde ausgeraubt. Ich höre geduldig zu. Ihm wurden Handies und Kameras geklaut. Der Ablauf scheint immer derselbe zu sein. Offenbar ohne Spuren (erstaunlich, erstaunlich) an den bestenfalls als „Fahrradschlösser“ zu bezeichnenden Türschlössern der Bungalows zu hinterlassen, dringen die Diebe ein, lassen alle Schubladen, wie auch die Vorhänge geöffnet und nehmen mit, was irgendwie von Wert erscheint.

My turn. Ich erzähle der Reiseleiterin meine Geschichte, wie auch die mitgehörten Geschichten der gefühlt unzähligen anderen Reisenden. Die Reiseleiterin sucht keine Ausflüchte mehr, sondern räumt die Problematik nun völlig uneingeschränkt ein. Sie habe die Direktion des Hotels bereits mehrfach, wie auch ihre zentrale Anlaufstelle in Palma wie auch ihre Konzernzentrale in Hannover informiert. Mehr könne sie nicht tun.

Dann jedoch unternimmt sie doch noch einen weiteren Versuch, die Problematik klein zu reden. Um Fluchtwege zu beschneiden, würde man seitens des Hotels nunmehr „das obere Ausgangstor“ ab 21 Uhr abschließen, so dass der Zugang zum Hotel dann nur noch über den besser zu überwachenden und an der Rezeption gelegenen Haupteingang möglich sei. Auf den allerersten Blick eine sinnvolle Maßnahme, auf spätestens den zweiten Blick fragt man sich, warum das „obere“ Tor nicht ausschließlich dann geöffnet wird, wenn es auch erforderlich ist, sprich: jemand dort rein muss. Ich mache mich also auf den recht weiten Weg zum angeblich zweiten Tor und stelle mancherlei fest:

Das „obere Tor“ stammt offenbar aus der Zeit kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Es wäre selbst dann, wenn es geschlossen würde, keine wirkliche Hürde für ernsthafte Diebe. Das Kettchen mit dem Vorhängeschloss für 2,50 Euro aus dem Baumarkt in Manacor öffne im Zweifel sogar ich mit der hier im Supermarkt gekauften Nagelschere. Gleichzeitig erklärt sich aber auch daraus, warum das Tor nicht ständig geschlossen gehalten und nur im Bedarfsfalle geöffnet wird: Es wäre schlicht zu unkomfortabel. Und ein Schiebetor mit elektrischem Antrieb für die einmalige Investition von maximal 10.000 Euro pro Toranlage ist den Betreibern die Sicherheit der Gäste offenbar nicht wert. Obwohl jeder einzelne Gast sehr deutlich zur Kostendeckung beitragen dürfte…

Was ich weiterhin feststelle, ist noch weit weniger erfreulich. Neben dem „oberen Tor“, gibt es nämlich noch ein weiteres oberes Tor, von dem aber niemand redet. Und dies aus gutem Grund. Dieses Tor bietet nämlich die gleichen Zufahrtsmöglichkeiten wie alle anderen Tore der Anlage, ist dabei aber nicht mehr im Mindesten funktionstüchtig. Sämtliche Scharniere sind durchgerostet.

Die Torflügel stehen auf dem Boden und sind mit Kabelbindern am Zaun befestigt, damit sie nicht umfallen. Dieser Zugang zum Hotel kann also derzeit gar nicht gesichert werden und stellt wahrscheinlich den Hauptzugangspunkt für die Diebe dar. Für diese Vermutung spricht auch, dass die unmittelbar an diesem Tor gelegenen Unterkünfte nicht belegt, sowie mit einem handgeschriebenem Zettel der Aufschrift „Alarm + Kamera“ ausgestattet sind.

Am Abend versuche ich den Hoteldirektor zu einem Gespräch zu bewegen. Ich erläutere kurz das Thema und bitte ihn um eine Stellungnahme. Er zieht sich darauf zurück, aktuell keine Zeit und morgen frei zu haben. Möglicherweise könne man am Sonntag mal miteinander sprechen. Das werde ich sicher tun, aber deshalb jetzt nicht den Beitrag zurückhalten. Die Stellungnahme des Direktors folgt dann, soweit sie überhaupt erwähnenswert sein sollte, im Kommentarbereich.

Laut Reiseleitung werden angeblich bereits alle Neuankömmlinge auf das Einbruchsrisiko hingewesen und gebeten, die kostenlosen Safes auf den Zimmern konsequent zu nutzen. Ich habe heute wahllos ein paar Neuankömmlinge angesprochen: Keiner wurde auf das Risiko hingewiesen.

Deshalb tue ich das jetzt: Sollten Sie in diesem Sommer bzw. solange das Hotel Riu Romantica Tore aus dem letzten Jahrhundert und keinerlei Sicherheitskräfte einsetzt, beabsichtigen, das Riu Romantica in Porto Cristo zu besuchen, so nehmen Sie ausschließlich Wertsachen mit, die Sie auch in handelsüblichen Safes mit etwa 25er Einfüllöffnung unterbringen können und TUN SIE DAS KONSEQUENT!

(Fotos: dpetereit / Logo: RIU-Hoteles)

6 Gedanken zu „Riu Romantica: Schatten über dem Urlaubsparadies

  1. Mittlerweile habe ich mittels gezielter Recherche in verschiedenen Urlaubsbewertungsportalen weitere Hinweise darauf gefunden, dass exakt diese Problematik bereits seit mindestens zwei Jahren besteht!

    Der mit dem Hoteldirektor vereinbarte Termin in der Rezeption zwischen 20 und 21 Uhr heute abend (ich sollte mich bei Ankunft melden), wurde seitens des Direktors nicht eingehalten. Vielmehr ließ er mir über die Rezeptionistin um 20.10 Uhr mitteilen, dass er heute doch keine Gelegenheit mehr zum Gespräch hätte. Er sei schon weg…

    Liest sich wirklich alles wie Krimi. Und wenn man dann noch auf Verschwörungstheorien steht…

  2. Womit die Problematik also seit nunmehr mindestens drei Jahren unverändert fortbesteht. Und das in einem RIU-Hotel, einer Kette also, die an sich einen guten Ruf geniesst…

  3. Hallo,

    Ich bin durch Google auf diesen Beitrag gestoßen.
    Da ich im Juli 2011 auch diese Hotel besuchen werde, wollte ich mich vorab umfassend über die Lage und evtl. Diebstahlprobleme informieren.

    Das es solch ein Problem in diesem Hotel gibt habe ich mir fast schon gedacht, da es in Hotel (Park)Anlagen meist immer solch ein Problem gibt.

    Meine Fragen lauten:

    1. Wie sicher sind die Zimmersafes ? Habe letztens erst ein Bericht gesehen wie einfach diese Safes zu knacken sind.

    2. Wurden Zimmersafes bei eurem Urlaub aufgebrochen oder nur die Zimmer ?

    3. Gibt es einen Hotel eigenen Safe, Bsp. an der Rezeption den man mit benutzen darf ?

    Da Dies mein erster Urlaub ist und ich diesen auch genießen will ohne Sorgen hoffe ich das Ihr mir meine Fragen beantworten könnt.

    LG,

    Salvatore

  4. Hallo.

    Nach meiner Erinnerung machten die Safes einen soliden Eindruck. Entwendungen aus Safes sind mir nicht bekannt geworden. Von einem Safe an der Rezeption weiß ich nichts. Damals gab es einen solchen jedenfalls nicht. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass sich daran etwas geändert hat. Ich halte es übrigens auch für unwahrscheinlich, dass sich an der Sicherheitslage überhaupt etwas geändert hat. Schon zum Zeitpunkt meines Besuches waren die Probleme Jahre alt.

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