Yourcha or Theircha or whatever you may like to call it

Dies ist ein von trigami vermittelter bezahlter Eintrag Hinweis: Dies ist ein von trigami vermittelter bezahlter Eintrag.

Wer mich kennt, weiß, dass ich als Unternehmensberater tätig bin. Über mehrere Jahre habe ich in einer großen mittelständischen Beratungskanzlei mit über 600 Mandanten auch die Stellenbesetzungen der Mandantenunternehmen „begleitet“ (wie man das im Beraterjargon nennt…). Ich kenne daher die marktführenden Onlinejobportale und kann für meinen Erfahrungshorizont definitiv sagen, dass diese bei Stellenbesetzungen mit Beraterunterstützung niemals auch nur die geringste Rolle gespielt haben. Ich und die meisten meiner Kollegen führen Selektion lieber auf der persönlichen Ebene durch und – es mag vielleicht überraschen, aber eigentlich doch wieder nicht – dabei spielt die formale Qualifikation zwar eine, aber nur eine kleine Rolle. Von daher war ich nie ein Freund der Featureliste ( MBA hier, Dipl. da, fünf Jahre Ausland etc.). Der Mensch, dem man die Aufgabenerfüllung zutraut, definiert sich nur am Rande, als Befähigungsnachweis, völlig abstrakt über formale Erfordernisse. Im Kern geht es immer um den Menschen als solchen. Schauen Sie ruhig mal zurück auf Ihren Lebenslauf und Sie werden mir zustimmen! Oder ist Ihr Leben auf dem Reißbrett entstanden und verlaufen?

Umso interessierter war ich, als ich eine trigami-Ausschreibung zur angeblich neuen Job-Recruiting Plattform Yourcha in meinem E-Mail-Postfach fand. Mt dem Hinweis auf meine einschlägigen Erfahrungen (eingangs geschildert) bewarb ich mich auf die Rezension und erhielt zügig den Zuschlag. Der Hinweis auf eine spezielle E-Mailadresse, bei der ich schließlich einen Invitecode anfordern sollte, machte mich noch stutziger als es die Beschreibung des Auftrages, hinsichtlich toll und neu und prima und Revolution und so ohnehin schon gemacht hatte, denn den Invitecode sollte ich ganz woanders und nicht bei Yourcha anfordern, nämlich bei Direct Relation, einem Addressbroker.

Yourcha versucht dem Jobsuchenden zu suggerieren, es sei alles ganz anders, als wir glauben, respektive wissen. Yourcha suggeriert, der Arbeitgeber müsse sich um den Arbeitnehmer bewerben und nicht umgekehrt. Genauso gut könnte man behaupten, dass sich der Bananenkäufer um die Bananen bewerben müsse, die ihm dann seitens des Bananenverkäufers zugeteilt würden. Verständlich ist dabei schon, dass sich der Jobsuchende gebauchpinselt fühlt und möglicherweise leichter bereit ist, sich in die Datenbank von Yourcha einzutragen. Verständlich, aber nicht real.

Fakt ist, dass wir es heute in Deutschland mit einem Nachfragermarkt zu tun haben. Es gibt viele, zu viele formal gleichqualifizierte Bewerber um denselben Job; jedenfalls bis in das mittlere bis gehobene Management hinein. Natürlich gibt es auch Stellen, die aufgrund eines extremen Spezialisierungsprofiles nicht zu besetzen sind (siehe aktuelle Green-Card-Debatte), jedoch machen diese nur einen bruchteiligen Bruchteil des Arbeitsmarktes aus.

Wenn also nun ein Unternehmen wie Yourcha derlei Fakten negiert, ist dies zumindest als mutig zu bezeichnen. Haben die andere Erkenntnisse? Oder haben die schlicht andere Ziele, wobei die vorgeschobenen letztlich nicht so die Rolle spielen? Ich sage es aus Erfahrung frei heraus: Ich sehe absolut nicht den geringsten Vorteil des Yourcha gegenüber Jobpilot and what not. Schon die konventionellen Plattformen spielen im arbeitsplatzschaffenden Sektor der KMU keine bis gar keine Rolle, wieso sollte sich da jemand als Arbeitgeber kostenpflichtig für Yourcha interessieren?

Googelt man nach Yourcha, denn das sollte man schon machen, wenn man – komischerweise – noch nie von diesem Unternehmen gehört hat, erhält man relativ eindeutige Ergebnisse, die – man muss es zugeben – zu den eigenen Eindrücken deutlich passen. Danach könnte es so sein, dass Yourcha lediglich eine Sammelstelle für qualifizierte Adressen ist, die nachfolgend seitens Direct Relation oder Global Group teuer vermarktet werden. Wurscht, ob da einer einen Job bei sieht? Hauptsache, die Direct Global Relation Group sieht eine Adresse mit Gehaltsniveau und aktuellem Arbeitgeber. Die ist nämlich Geld wert und dazu noch völlig kostenlos erhalten! Oder ist das zu böse gedacht? Würde eine solche Firma dann Trigami auch noch mit einer Rezensionskampagne beauftragen? Das wäre doch dumm, oder?

Nein, wäre es aus verschiedenen Gründen nicht! Denn erstens scheint es so zu sein, dass Trigami-Bloggervorsichtig formuliertnicht immer recherchieren. Da ist die Top-Rezension vorprogrammiert. „Super-Website, die ich Euch heute mal vorstellen will (weil trigami mir 40+ Euronen dafür verspricht).“ Recherchiert eine oder einer dann doch, könnte ich mir vorstellen, dass lediglich der Linklift als solches beim Auftraggeber gesehen wird. Je mehr externe Links, desto höher das Googleranking, egal was da geschrieben wurde. Darin besteht übrigens aus meiner Sicht der einzige echte Nachteil von Trigami: die Missbrauchsmöglichkeit hinsichtlich des eigenen Page-Ranking seitens der Auftraggeber.

Vielleicht bin ich aber auch ungerecht. Ich werde mich jetzt mal bei Yourcha anmelden. Den Invitecode hat mir Silvia T. von der Direct Relation ja schließlich zügigst zugemailt und angemerkt: „Wir freuen uns auf Ihre Rezension.“ Ich verspüre allerdings bereits im Vorhinein ein gewisses schales Gefühl auf der Zunge, wenn ich mir nochmal den karriere.de-Beitrag durchlese, der klarstellt, dass der Vorsitzende der Global Group auch der Vorsitzende bei Yourcha ist und weiterhin klar macht, dass Yourcha in der Vergangenheit offenbar mit Kunden, wie der UBS, VW, Audi, Publicis etc. geworben hat, ohne, dass diese Unternehmen auch tatsächlich Kunden gewesen gewesen wären, geschweige denn, dies auch nur geplant zu haben.

Während der Anmeldung stoße ich auf die bereits mehrfach beschriebene Geschwindigkeitsproblematik. Obschon ich nicht zügiger tippen kann, schaffe ich keine Anmeldung innerhalb des dafür vorgesehenen Zeitfensters. Drei Mal muss ich die Anmeldung durchlaufen, bis ich endlich eine Aktivierungsemail erhalte. Fehler oder Planung? Will man sehen, ob einer wirklich mehrmals identische Daten eingibt? Jedesmal muss ich erneut bestätigen, dass yourcha mir E-Mails senden darf.

Bei der Vervollständigung meiner persönlichen Daten werde ich nach Kinderzahl und Familienstand gefragt. Hmm. Auch hier muss ich erneut klicken, ob yourcha mir E-Mails senden darf. Hmm. Berufsbezogene Daten. Ich soll mein Jahreseinkommen nennen. Ich soll sagen, welcher Klasse mein Firmenwagen zuzuordnen ist und ich soll angeben, ob ich ein Firmenhandy besitze. Doppel- und Dreifach-Hmm.

So. Ich habe fertig. Alles eingegeben. Und jetzt? Nix. Denn aktiv suchen kann ich nicht! Jetzt soll ich revolutionärerweise darauf warten, dass mir ein Arbeitgeber ein Angebot zusendet. Ich kann mir nicht helfen, aber das erinnert mich an Dienste wie Probenzauber, die einem versprechen, man würde jeden Monat bei 20 Herstellern für Produktproben eingetragen. Überprüfen kann man dies indes nicht. Bei Probenzauber stehen unmittelbar pekuniäre Interessen, gegen die man sich wehren kann, im Mittelpunkt. Bei yourcha wäre das, wenn es so wäre, wesentlich subtiler, denn der Dienst ist ja für den Arbeitnehmer kostenlos (und möglicherweise nutzlos).

Da ich demnach als registrierter Arbeitnehmer nicht aktiv werden kann, entschließe ich mich einen Tag später – nein, bislang sind keine Angebote bei mir eingegangen – dazu, meine Kanzlei als Arbeitgeber zu registrieren. Ich habe auch hier das Geschwindigkeitsproblem. Daten in normaler Geschwindigkeit eintragen ist nicht. Man muss offenbar tippen wie eine Texterfassungsfachkraft und wie irre auf „Abschicken“ klicken, um in die Gnade der Zustellung einer Aktivierungsmail zu gelangen. Dank der Formularspeicherfunktion des Firefox klappt’s beim zweiten Mal. Der normale Auftraggeber, der am Ende immerhin Geld für die Dienste zahlen soll, hätte sicherlich weniger Verständnis für eine dermaßen unprofessionelle Vorgehensweise.

Ich suche nach mir. Finde mich aber nicht. Ich erweitere den Suchradius. Finde mich immer noch nicht. Egal. Wo ich auch suche, finde ich unspezifisch rund 30 angebliche Wechselwillige. Mittlerweile hat sich auch der Vertrag für Arbeitgeber im Browser geöffnet. Danach müsste ich als potenzieller Arbeitgeber für jede anonymisierte Kontaktaufnahme 50 Euro zahlen. Antwortet mir der Anoyme dann, würden weitere 50 Euro fällig. 100 Euro wären also bereits zahlbar zu einem Zeitpunkt, zu dem nicht im Mindesten erkennbar ist, ob dieser Bewerber auch nur im Ansatz in Frage kommen könnte. Sollte einer meiner eigenen Mandanten die Nutzung eines solchen Dienstes in Erwägung ziehen, ich würde ihn verzögerungfrei für unzurechnungsfähig erklären.

Dann schon lieber Jobpilot, Monster und wie sie alle heißen. Und zwar sowohl aus Arbeitnehmer-, wie auch aus Arbeitgebersicht. Am Besten jedoch ist immer die Inanspruchnahme eines lokalen, menschlichen Dienstleisters. Der kostet ein paar Euro, geht aber dafür auf die Bedarfe des Betriebes, wie auch der Bewerber zu 100 Prozent ein. Der Internetdienstleister hingegen ist mehr an den eigenen Bedarfen orientiert…

18 Gedanken zu „Yourcha or Theircha or whatever you may like to call it

  1. Sehr schön, dass man nun auch mal die Arbeitgeberseite lesen konnte. Und schmunzeln musste ich bei der Geschwindigkeitsfrage. :mrgreen:

  2. Im Wesentlichen bin ich jetzt gespannt, wie die Auftragserledigung seitens Trigami und dessen Kunden beurteilt werden wird. An dieser Frage respektive an der immer wieder entstehenden gleichen Frage bei anderen Auftraggebern wird sich zeigen, ob Trigami in der Zukunft als ehrlicher Dienstleister überleben wird oder ob man sich dem Diktat des Geldes beugen und die Aufträge konkreter unter Beschneidung der redaktionellen Freiheiten ausloben wird. Auch dafür würden sich sicher Blogger finden. Ich wäre dann allerdings raus!

  3. Lieber Dieter

    Vielen Dank für diese sehr gut geschriebene Rezension. Natürlich bleiben wir unserem Grundsatz der „redaktionellen Freiheit“ treu und haben Deine Rezension soeben erfolgreich überprüft und freigeschaltet. Die Qualität Deiner Rezension ist vorbildlich und ist bereits für unsere Referenzen-Liste vorgemerkt :-).

    Viele Grüsse
    Remo

  4. Ich betrete Dieters Bloghütte. Mein Blick fällt auf den neuen Beitrag Yourcha or Theircha or whatever you may like to call it und ich sehe den Button SPONSORED sowie den Hinweis auf trigami. Mein Mißtrauen ist geweckt! Der Autor referiert eine Laudatio für bzw. über seine Referenzen, während ich die eigentlich Thematik bzw. Problematik des Referates zu entdecken suche. Ich bin dann schnell über den weiteren Artikel geflogen, schnappe auf, daß Dieter irgendwo persönliche Daten referieren muße und sehe an ein anderer Stelle im Vorbeihuschen, daß das scheinbar Geld gekostet hat… . Ich habe dann aufgehört.

    Unser Walther, der in die zweite Klasse einer Mannheimer Edutainment Schule geht, schreibt übrigens „hoch referenzierte“ Referate über Bananen-Schoggo-Riegel… . 😎

  5. Wilhelm, jetzt lass mal die Drogen weg. Wie oft soll ich Dir noch erklären, dass selbst übermäßiger Schokoladenkonsum suchtfördernd sein kann, vornehmlich Selbstsucht…

  6. @Wilhelm: Die Meinungen sind in diesem Fall doch gar nicht gravierend verschieden. Der eine meint halt nur, dass er gegen Bezahlung nicht mal kritisch darüber schreiben würde, ohne Bezahlung aber schon, wie geschehen, während der andere das Geld gerne nimmt und trotzdem total kritisch schreibt. Wie eben ich…

  7. Das ist mir schon klar und wenn Du mal meinen Beitrag liest, findest Du auch folgendes:

    Recherchiert eine oder einer dann doch, könnte ich mir vorstellen, dass lediglich der Linklift als solches beim Auftraggeber gesehen wird. Je mehr externe Links, desto höher das Googleranking, egal was da geschrieben wurde. Darin besteht übrigens aus meiner Sicht der einzige echte Nachteil von Trigami: die Missbrauchsmöglichkeit hinsichtlich des eigenen Page-Ranking seitens der Auftraggeber.

    Deswegen verlinke ich schlecht zu rezensierende Angebote exakt ein einziges Mal, und auch nur, weil dies im Auftrag gefordert ist. Weitere Links erhalten sie meinerseits nicht. Das Problem sehe ich also auch…

  8. Der eine meint halt nur, dass er gegen Bezahlung nicht mal kritisch darüber schreiben würde, ohne Bezahlung aber schon, wie geschehen [Dieter, 9. Kommentar]

    Ich schreibe gerne, sogar sehr gerne auch eine negative Rezension, sofern diese angebracht sein sollte – ansonsten bräuchte ich auch keine Rezensionen schreiben. Es gibt kaum etwas, dass nur positive Seiten hat. Allerdings will ich nicht gegen Bezahlung (ggf. unwissentlich) etwas fördern, das (nicht nur) ich für verachtenswert halte, sei es durch Backlinks (laut der Bestimmungen für einen Auftrag dürfen geschriebene Artikel ja dann auch nicht im Nachhinein verändert werden, vgl. auch Ist die Bewerbung für einen Auftrag verbindlich? [FAQ: 19, letzter Satz]). Trigami hätte (dessen bin ich mir sicher) viel größere Möglichkeiten, potentielle Auftraggeber erst zu prüfen – basierend auf bestimmten Grundsätzen, die erst offenbar erst erarbeitet werden müssen (Ratschlag meinerseits an Trigami!). Trigami entzieht sich jedoch jeglicher Verantwortung in dieser Richtung – und das ist auch der Grund für mein Statement.

    Jedenfalls muss Trigami irgend einen Weg finden, Anbieter, wie sie nun in der Diskussion sind, von vornherein auszuschließen. Da geht es ausdrücklich nicht! um die redaktionelle Freiheit, auch (gegen Bezahlung) negatives schreiben zu dürfen, sondern um die aktive Nutzung des in Punkt 4.1 der Trigami-AGB genannten Rechts, bestimmte Auftraggeber abzulehnen. (Die entsprechenden „Blogger“ bzw. eher Blogs, die zu einem Auftrag passen, werden ja schließlich auch selektiert!) Fehler kann es dabei natürlich immer geben – kein Mensch und keine Firma ist „perfekt“ und es wird sicherlich weiterhin „schwarze Schafe“ geben. Unter den jetzigen Umständen sehe ich aber ein „Netzwerk“ und Konzept wie das von Trigami nicht als überlebensfähig. Und sollange sich Trigami weiterhin der Verantwortung entzieht, werde ich dem ganzen auch mit diskreter Distanz zusehen!

  9. Okay. Da besteht doch ein relativ gravierender Unterschied. Ich stehe nämlich als Unternehmer selber auch auf dem Standpunkt, dass die Prüfung der Auftraggeber nicht nur nicht zu leisten, sondern unter Geschäftsinteressen nicht opportun ist. Wenn man damit einmal anfängt, gerät man in größte Schwierigkeiten. Die (sehr schwierige) Frage nach den objektiven Bewertungskriterien wäre dabei nur der Anfang!

  10. Von wegen „detailliert“ auf die Beiträge, detailliert nur auf die eigenen Interessen. Ich finde meinen Bericht jedenfalls in der sog. Stellungnahme nicht mal rudimentär kommentiert. Über ein „Stimmt alles nicht!“ kommt die Stellungnahme nicht hinaus. Beweise? Fehlanzeige.

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