Möbel Ostermann in Witten

Mann, was habe ich für´n dicken Hals! Ich habe mich von einer Werbebeilage im hiesigen Käseblättchen dazu bringen lassen, mich ins Auto zu setzen, und eine halbe Stunde bis nach Witten zum Möbelhaus Ostermann zu fahren. Ein Riesenladen. Schon von der Autobahn aus sieht man das Hochregallager. Der ganze Komplex sieht aus wie ein größerer Atomreaktor. Dass das Möbelhaus Ostermann für die Gesundheit fast so schädlich ist wie der nächstbeste Störfall konnte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen.

Ostermann besteht aus drei riesigen Komplexen. Da gibt es das bereits erwähnte Lager, in dem auch die Waren ausgegeben werden. Dann gibt es ein Gebäude namens Möbeltrends mit mir nicht bekannten Inhalten und es gibt das Möbelhaus Ostermann an sich. Mehrgeschossig, irre weitläufig, mit Rolltreppen, die sich frei durch den Glasbedachten Raum schrauben. Ich hätte fast gekotzt, denn ich bin nicht schwindelfrei.

Ich will einen Schreibtischstuhl kaufen. In der Abteilung kein Verkäufer. Auch nach weiträumiger Umfeldsuche. Kein Verkäufer. Plötzlich Gelächter aus einem Raum hinter den Möbeln, quasi einem gefangen liegenden Refugium. Beherztes Klopfen fördert gleich eine Vielzahl VerkäuferInnen mit allerdings entsprechend schlechter Laune zutage. Ich fühle mich, als hätte ich in ein Wespennest gestochen. Nachdem sich die ersten drei Ostermänner für unzuständig erklärt haben, erbarmt sich eine andere Ostermännin, die jedoch gleich zu verstehen gibt, dass dies nicht ihre Abteilung sei und sie von daher nicht mit Gewissheit helfen könne. Auf die Frage, wo denn die zur Abteilung gehörigen Ostermänner wohl sein könnten, ratloses, aber auch desinteressiertes Schulterzucken. Immer diese Kunden, Mensch. Das Leben könnte so schön sein, wenn es die nicht gäbe…

Letztlich schafft die Dame es doch noch so leidlich, den beworbenen Schreibtischstuhl ausfindig zu machen. Nach meiner Kaufzusage beginnt sie umständlich den Computer zu bearbeiten. Schließlich brauche ich einen Beleg, mit dem ich zur Kasse und hernach zur Warenausgabe gehen kann. Keine 45 Minuten später stehe ich schon an der Kasse und will die 69 Euro mit meiner EC-Karte bezahlen. Geht bei Ostermann ausschließlich mit Personalausweis. Glücklicherweise habe ich noch genügend Bargeld dabei…

Die Warenausgabe ist nur mit dem Fahrzeug zu erreichen. Insgesamt rund 60 Minuten nachdem ich Ostermann betreten habe, um einen Schreibtischstuhl zu kaufen stehe ich nun in der Warenausgabe. „Zur Anmeldung“ „Zum Warteraum“. Diese Beschilderungen machen mir schon beim Betreten der Warenausgabe Angst. Mit Recht. Der Mann hinter der Ausgabetheke erklärt sich für nicht zuständig und schickt mich zur Anmeldung. Dort sitzt eine Dame, die sich meinen Kaufbeleg geben lässt. Sie beginnt umständlich den Computer zu bearbeiten. „Was machen Sie da?“ frage ich sie nach einigen Minuten. „Ich erfasse den Kommissionierungsauftrag.“ gibt sie zurück, als hätte ich sie nicht alle. Was ´ne blöde Frage. „Sie erfassen jetzt diesen Auftrag ein zweites Mal?“ setze ich ungläubig nach. „Genau. Die Lageristen müssen den ja schlicßlich kommissionieren können. Setzen Sie sich bitte in den Warteraum. Sie werden aufgerufen, wenn Ihre Ware bereit steht!“. „Moment mal. Bin ich hier beim Arzt oder in einerm Möbelhaus?“. Langsam werde ich ungemütlich. Die Eintipperei hat schon wieder 10 Minuten verschlungen.

Grummelnderweise setze ich mich in den Warteraum und beginne unverzüglich zu stänkern. Da spricht mich ein älterer Mitwartender an: „Was regen Sie sich denn so auf? Ich warte schon fast eine Stunde hier. Sie sind doch gerade erst gekommen.“ Weitere 10 Minuten lang motze ich im Stile von „Ja, müssen die den Stuhl erst bauen?“ oder „Wahrscheinlich ist das Lager nur Fassade. Die Waren werden just in time geliefert und der LKW mit meinem Stuhl ist gerade in München auf die Autobahn gefahren.“ Hilft nix. Nach 20 Minuten Wartezeit und dem Näherrücken meines nächsten Termins platzt mir der Kragen. Ich gehe zur Anmeldung und schnauze die nette, aber weiterhin desinteressierte Dame an von wegen „Das habe ich ja noch nie erlebt! Hier kaufe ich nie wieder etwas“ und so weiter.

Nach insgesamt 105 Minuten befinde ich mich mitsamt Stuhl auf dem Heimweg. Damit hat mich die ganze Aktion runde drei Stunden gekostet. Nie wieder!

14 Gedanken zu „Möbel Ostermann in Witten

  1. Möbel Ostermann in Witten so eine Art Biosphäre für die DDR Planwirtschaft?
    Dann bist Du aber in einem Museum gewesen!

    IKEA Mannheim ist nicht so ein Weichnachtsmann, auch wenn für K. dort immer Weihnachten ist.

  2. Die Ostermann-Kultur ist im ganzen Bundesgebiet zu haben, denn der Diskonter Möbel-Boss gehört mit 70 Filialen auch noch dazu.

  3. Hallo,
    es gibt immer und überall Menschen ,die mit sich und Ihrer Umwelt nicht zufrieden sind !

    Wenn man schon negativ an einen simplen Einkauf eines Bürostuhls so herangeht,möchte ich nicht wissen ,was solche Nörgler bei einem größerem Einkauf veranstalten ?????????

    Sie sind privat und auch beruflich solche Menschen ,die man hätte nie getroffen …
    sie werden auch nicht gerne gesehen ,weder privat noch in Möbelhäusern !!!

    Nie wieder solch einem Menschen begegnen sagen bestimmt ALLE !!!

  4. Pedaniho ist wohl Möbelverkäufer bei Ostermann. Höhö. Und außerdem geistig schwer beschädigt. Ob da ein Zusammenhang besteht? Und wenn ja, in welcher Richtung? :stupid:

  5. Hast Glück gehabt, dass du nach 105 Minuten fertig bist. Zu „Stoßzeiten“ habe ich schon 3-4 mal so lange gewartet… Beim Einkaufen von Möbeln nehme ich mir mittlerweile immer einen Tag frei, schließlich dauert es überall so lange. Und auf Einkaufen unter Zeitdruck habe ich mal gar keine Lust 😉

  6. 1. Wärste mal bei Trends reingegangen, da kriegste den Stuhl wie bei Ikea im integrierten Lager und gehst damit direkt zur Kasse

    2. War der Stuhl denn so günstig, dass du dafür extra ne halbe Stunde Autofahrt in Kauf genommen hast?

    Verstehe ich nicht! Und dann aufregen – haha! 🙂

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