Zoran R.

Vorneweg: Ich hatte dem Burschen, um den es in dieser Geschichte geht auch einen Nachnamen gegeben. Dafür hat man mich geprügelt. Um Gutmenschenkompatibilität wieder herzustellen, habe ich daher den Nachnamen auf R. verkürzt.

Zoran R. ist ein Kind mit „Migrationshintergrund“ und noch nicht mal neun Jahre alt. Der Migrationshintergrund ergibt sich daraus, dass sein siebzigjähriger Vater vor irgendwieviel Jahren mal aus Jugoslawien ausgewandert ist. Seine Mutter ist eine Mitt40jährige Deutsche. Der Vater spricht trotz xjähriger Anwesenheit kaum deutsch; seine deutsche Frau allerdings auch kaum mehr (jedenfalls kein richtiges).

Zoran ist ein „Präriekind“. Sagt jedenfalls sein Lehrer und meint damit nichts Gutes. Zoran ist nämlich immer noch in der ersten Klasse. Zoran ist nicht hyperaktiv, er ist hyperagressiv. In jeder Minute seines jungen Lebens ist er darauf aus, jemand anders Schaden zuzufügen. Er prügelt, er stiehlt, er raubt. Er hat keinerlei Hemmschwelle.

Zoran ist „von seinen kognitiven Fähigkeiten her sehr schwach“ sagt wiederum sein Lehrer und bestätigt, dass er in einem „Regelschulsystem nicht ordentlich beschult werden kann“. Will heißen: Zoran gehört mindestens auf die Sonderschule, wenn nicht ohnehin in eine geschlossene Wohngruppe; sprich: ein Heim.

Das aber wollen seine Eltern, die ansonsten jedwede Verantwortung für sein Verhalten ablehnen, unbedingt vermeiden. So ziehen sie alle Nase lang um, da sie nämlich über das Prozedere in solchen Fällen wunderbar informiert sind. Sie ziehen von Schulbezirk zu Schulbezirk und verfrachten ihren Sohn von einer Schule zur nächsten. Immer so schnell, dass keine Schule Gelegenheit hat, die nächsthöhere Behörde einzuschalten, denn diese Möglichkeit besteht nur 2x im Jahr.

Im Alltäglichen indes sind seine Eltern nicht so um Zorans Wohlergehen besorgt. Obwohl weder sein Vater, noch seine Mutter arbeiten (oder irgendeine Chance darauf hätten), muss Zoran Tag für Tag nach der Schule in die sogenannte Betreuung gehen. Dort sind Kinder untergebracht, deren Eltern beide berufstätig sind und daher die Kinder vor 16 Uhr nicht abholen können.

Vermutlich hätte ich Zoran nie kennengelernt, wenn er nicht auch meinen Sohn überfallen und ihm sein Fahrrad geraubt hätte. Alle bislang beschriebenen Verhaltensweisen, insbesondere der Eltern, konnte musste ich am eigenen Leibe erfahren. Zorans Nachbarin bestätigte mir, dass täglich aufgebrachte Eltern an der Tür klingeln, um Zoran respektive dessen Eltern zur Rede zu stellen. Diese sind jedoch mittlerweile absolut gleichgültig geworden.

Selbst das Anrücken der Polizei beeindruckte die Hartz-4-Truppe nicht. Dabei hatte Zoran exakt einen Tag vorher ebenfalls ein Fahrrad geraubt und war entsprechend aktenkundig. Die Eltern negierten dennoch. Interessant. Beide zuhause, Zoran aber in der Betreuungsgruppe für Berufstätige. Der Beitrag für Zoran auch noch aus Steuergeldern finanziert, weil die Eltern keine Kohle haben…

Der Schulrektor entschuldigte sich vielmals für das Verhalten Zorans, machte aber auch deutlich, dass er ohne die Mitwirkung des Jugendamtes kaum Chancen habe, eine vernünftige Lösung zum Schutze der anderen Schülerinnen und Schüler herbei zu führen.

Um mir zu verdeutlichen, wie schwierig das sei, rief er in meinem Beisein das Jugendamt an … und wurde dreimal hin und her verbunden, weil sich keine der Sachbearbeiterinnen für zuständig hielt, obwohl alle den Fall kannten… Ebenso rief er die Polizei an. Obschon es um Raub ging, juckte es die Beamten wenig. Man verwies an das (überaus engagiert auftretende) Jugendamt. „Sehen Sie? So läuft das in Deutschland.“, sprach der Rektor nach diesem vorgeführten Musterbeispiel staatlicher Hilflosigkeit.

Seitdem sind vier Monate vergangen. Das Fahrrad meines Sohnes ist nicht wieder aufgetaucht. Schadensersatz habe ich von Zorans Familie ebenfalls nicht gesehen. Eine Entschuldigung hat es auch nicht gegeben und Zoran ist immer noch Schüler an der Schule.

Nach jeder Pause steht er am Rektorzimmer mit einem geschädigten, in der Regel geschlagenen Kind und muss sich in Anwesenheit des Rektors bei diesem entschuldigen. Nach der nächsten Pause steht er mit einem anderen Kind wieder dort, rund 40mal im Monat. Und was passiert ansonsten? Nichts!

12 Gedanken zu „Zoran R.

  1. Schade, Du bist mir zuvorgekommen!

    Vor drei Tagen legte so ein deutscher Zoran mit Hartz-IV-Mutter-Hintergrund an unserer Kellertür Feuer (zwei Stockwerke unter mir). Die Tür ist total verkokelt. Nur das schnelle Eingreifen eines Passanten mit Autofeuerlöscher hat schlimmeres verhindert.
    Eigentlich wollte ich ein Bild online stellen.

    Das Kind ist noch nicht aktenkundig, was sich mit Eintritt in die Schule bestimmt ändern dürfte.

    Die Mutter kümmert sich nicht um das Gör, denn schließlich habe es ADS (Anmerkung: ich hasse die Abwälzung auf eine angebliche Krankheit, welche es vielleicht schon immer gegeben hat, aber nie auffällig wurde, weil es noch adäquate Erziehung gegeben hat, welche das „ADS“ in Schach hielt.).

    Kurz nach deren Einzug gab es mehrere Einbrüche in die Keller, ohne daß die Außentüre aufgebrochen wurde.
    Das Diebesgut wurde gezielt gegriffen. Kartons, in welchen ich Fragebögen mehrer Studien aufbewahre blieben ungeöffnet und auch sonst wurde nicht „gewühlt“.

    Der Vater, … unbekannt. Wie bei so vielen nach dem WK II, muß das Kind ohne Vater aufwachsen.
    Die Kriegswaisen haben Deutschland aufgebaut!
    Vom Vater ist nur bekannt, daß er säuft. Die Mutter hat diverse Assi-Stecher mit viel Muckis – da hälste lieber die Klappe.

    Die Ex-KollegInnen vom Sozial- und Jugendamt, diese „Guten“, sind bislang noch nicht hier aufgetaucht – wer hat eigentlich die früheren Hausbesuche für Alleiner- und StützeZiehende abgeschafft?
    Wahrscheinlich müßte man sich das „Verständnis haben müßen“ sowie die „Einbeziehung des Umfeldes“ (systemischer Familientherapie Relativierungskatalysator) anhören müßen – sollen vielleicht doch lieber fort bleiben, da sie die Sache noch schlimmer machen könnten.

    Es ist schwierig bis unmöglich diesen Leuten Druck zu machen.
    Denn für Unterhalt und Miete ist, … wird gesorgt.

    Ich werde demnächst meine Zelte hier abbrechen.
    „Broken Window Theorie“: es wurden schon „zu viele Fenster hier eingeschlagen“, ohne daß diese repariert wurden oder daß Sanktionen erfolgt sind.

    Eigentlich bedauere ich, daß ich kene Kinder habe.
    Wenn ich solche Dinge lese oder selbst erfahre, dann bin ich zuweilen froh, daß ich nicht doppelte Hilflosigkeit gegenüber diesem Gesocks ertragen muß.

    So, jetzt geht es mir ein bisserl besser.
    Abkotzen ist manchmal sehr hilfreich.

  2. Zu keinem Zeitpunkt habe ich Sie „geprügelt“. Ich wies darauf hin, dass ich persönlich die Verwendung eines Realnames nicht für angebracht halte. Dass Sie die Bezeichnung „Gutmenschen“ verwenden, spricht allerdings für sich..

  3. Hallo Moe und willkommen auf meinem „Hoheitsgebiet“ 😉

    Nein, Sie haben mich nicht geprügelt. Da haben Sie Recht. Sie haben allerdings mit Ihrem Kommentar die Schatten aktiviert, wenn Sie verstehen, was ich meine. Die melden sich nicht mit den Mitteln des Kommentars…

  4. … ich liebe es, wenn Gutmenschen, welche meist an einem schönen Ort, also fern von jenen wohnen, welchen sie „gut reden“, sowie weder theoretisch fachlichen noch praktisch beruflichen Zugang zur Materie haben, ihren idealistischen Zeigefinger auf die Opfer der Täter, welche zu Opfern stilisiert werden, anklagevoll richten … .

  5. Während die Einen unbehelligt rauben und stehlen dürfen, dürfen die Anderen nicht einmal den Begriff Gutmensch benutzen. Wahrscheinlich sind die Anderen ohnehin am Verhalten der Einen schuld.

  6. Ich glaube da erübrigt sich jede weitere Frage bei den feinen Herrschaften hier. Da lasse ich die „theoretisch fachlichen“ und „praktisch beruflichen“ Experten lieber unter sich, auch wenn mehr als Stammtisch-Kommentare nicht dabei herauskommen.
    Bezeichnend bleibt, dass auf meinen ach so ahnungslosigen Einwand derartig schnell und heftig reagiert wurde. Das hier ist Ihr Blog, also stellen Sie sich ruhig dar, wie sie es für richtig halten.

  7. „Es kann nicht sein, was nicht sein darf.“
    Was dagegen verstößt und ausgesprochen wird, erhält das Label Einzelfall u./o. Stammtischkommentar.

    Ich nenne diese Abwehrreaktion „Befangenheitslogik“.

  8. Einen Stammtischkommentar nenne ich Äusserungen wie „Während die Einen unbehelligt rauben und stehlen dürfen, dürfen die Anderen nicht einmal den Begriff Gutmensch benutzen. Wahrscheinlich sind die Anderen ohnehin am Verhalten der Einen schuld.“, die keinesfalls meiner Überzeugen entsprechen und offensichtlich auch nicht im geringsten von mir behauptet wurden. Es verabschiedet sich „a gutt Mensch“ (jiddische Ursprungsform des Begriffs vor der Goebbelschen Verwendung von 1941).

  9. Na hören Sie mal, Moe. Jetzt mal wirklich und in echt, quasi, sort of.

    Ich habe Sie persönlich nicht mit der Bezeichnung Gutmensch gemeint, entsprechend kann der von Ihnen als Stammtischslogan abqualifizierte Folgekommentar logischerweise auch nicht auf Sie bezogen sein!

    Außerdem übersehen Sie bei Ihrer qualitativen Bewertung, dass auch heutzutage Politik noch häufig am Stammtisch gemacht wird. Man nennt ihn allerdings inzwischen Round Table.

    Die zügige Fokussierung auf Fragen des Täterschutzes wollen Sie aber doch im Allgemeinen nicht etwa abstreiten, oder?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.